
MYELOMA EURONET Die Stimme der Myelom-Patienten in Europa
Letzte Aktualisierung: 05. Februar 2010
Behandlung
Das Hauptziel jeglicher Tumortherapie ist die Erkrankung weitgehend zurückzudrängen. Beim Multiplen Myelom/Plasmozytom ist eine dauerhafte Heilung nur bei Patienten mit lokalisiertem Befall (extramedulläres Plasmozytom, solitäres Plasmozytom) und bei jüngeren Patienten nach einer allogenen (von einem anderen Menschen) Knochenmarkstransplantation möglich. Mit den derzeitigen Behandlungsmethoden kann das Multiple Myelom/Plasmozytom ansonsten nicht geheilt werden. Ziel der Therapie ist es daher, Ihr Leben zu verlängern und Ihre Lebensqualität zu optimieren.
Therapiemöglichkeiten zum Multiplen Myelom/Plasmozytom
Chemotherapie
Chemotherapeutika sind Substanzen, die das Wachstum von Tumorzellen hemmen. Im Gegensatz zu anderen bösartigen Tumoren, die einer sofortigen Therapie bedürfen, rechtfertigt die Diagnose Multiples Myelom/Plasmozytom nicht zwangsläufig eine sofortige Chemotherapie. Eine Chemotherapie sollte aber in jedem Fall begonnen werden, wenn
- Symptome wie eine Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, Gewichtsabnahme oder Knochenschmerzen auftreten,
- eine Einschränkung der Nierenfunktion nachgewiesen wird,
- eine Hyperkalzämie (hoher Kalziumspiegel im Blut) besteht oder
- eine zunehmend stärkere Blutarmut auftritt.
Zur Behandlung des Multiplen Myeloms/Plasmozytoms sind bestimmte Zytostatika (Medikamente zur Hemmung des Zellwachstums = Chemotherapeutika), so genannte Alkylanzien, besonders wirksam. In manchen Fällen werden Alkylanzien wie Melphalan oder Cyclophosphamid mit Kortison-Präparaten kombiniert.
Die am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen der Chemotherapie sind Übelkeit und Erbrechen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Blutarmut, Entzündungen der Schleimhäute, Haarausfall, Schädigung des Nervensystems und Gewichtszunahme. Die meisten dieser Nebenwirkungen sind auf die Zeit der Chemotherapie begrenzt.
Welche Präparate in welcher Kombination für Ihre Chemotherapie in Frage kommen, erfahren Sie von Ihrem behandelnden Arzt.
Hochdosis-Therapie und Stammzellentransplantation
Studien haben gezeigt, dass durch den Einsatz von Melphalan in sehr hoher Dosierung bei vielen Patienten eine komplette Remission (vollständiges Verschwinden der Krankheitsanzeichen) erreicht werden konnte. Allerdings beeinträchtigte die hoch dosierte Therapie das Knochenmark. Ein ausgeprägter Mangel an weißen Blutkörperchen ist die Folge, verbunden mit einer erheblichen Gefährdung durch Infektionen. Für die Hochdosis-Therapie des Multiplen Myeloms/Plasmozytoms haben sich inzwischen folgende Verfahren etabliert:
- Gabe von Wachstumsfaktoren, welche die Neubildung weißer Blutkörperchen beschleunigen. Diese Wachstumsfaktoren heißen Granulozyten-Kolonie-stimulierende Faktoren (G-CSF).
- Rücktransfusion von Knochenmark- oder peripheren (im Blut zirkulierenden) Stammzellen, die vor der Hochdosis-Therapie gewonnen werden. Diese Verfahren bezeichnet man auch als autologe (aus dem eigenen Körper entstanden) Stammzellentransplantation.
Besprechen sie mit Ihrem Arzt, ob eine solche autologe oder gar eine allogene (Stammzellen von einem anderen Menschen) Transplantation in Kombination mit Hochdosis-Chemotherapie für Sie in Frage kommt und mit welchen Risiken diese Methoden verbunden sind.
Strahlentherapie
Mit Hilfe von Strahlung soll erreicht werden, dass entartete Zellen ihre Teilungsfähigkeit verlieren und somit ein weiteres Wachstum des Tumors verhindert wird. Im Gegensatz zu vielen Tumoren haben bestrahlte gesunde Zellen die Fähigkeit, die durch die Strahlung entstandenen Schäden wieder zu reparieren, so dass die Wirkung der Strahlung weit mehr Einfluss auf den Tumor nimmt als auf die umgebenden gesunden Organe. Es ist wichtig zu wissen, dass bei der Strahlentherapie keine radioaktiven Substanzen in den Körper gelangen.
Beim Multiplen Myelom/Plasmozytom wird die Strahlentherapie vor allem zur Behandlung von Knochenschmerzen eingesetzt. Außerdem kann die Strahlentherapie Knochenbrüchen in tragenden Knochenabschnitten vorbeugen. Bereits vorhandene Knochenbrüche können mittels Bestrahlung stabilisiert werden.
Akute Nebenwirkungen wie Hautrötungen sind selten. Je nach Bestrahlungsregion können unterschiedliche weitere Nebenwirkungen auftraten, die mit dem zuständigen Radioonkologen individuell besprochen werden müssen, ebenso wie die Frage, welche Form der Bestrahlung in Ihrem Fall angewendet werden soll.
Behandlung mit Interferon
Alpha-Interferon ist ein körpereigener Wirkstoff, der auf die Zellen des Immunsystems einwirkt. Unter anderem hemmt Interferon die Vermehrung von Plasmazellen. Aufgrund der vorliegenden Erfahrungen empfiehlt sich der Einsatz von Interferon bei denjenigen Patienten, bei denen die Chemotherapie zu einer Remission, zumindest aber zu einer Stabilisierung des Krankheitsbildes geführt hat. Dies betrifft besonders Patienten mit Hochdosis-Therapie und Stammzellentransplantation. Ziel einer Interferon-Therapie ist die Erhaltung der durch Chemotherapie erzielten Remission.
Als Nebenwirkungen können Grippe-ähnliche Zustände und depressive Verstimmungen auftreten.
Behandlung mit Thalidomid
Thalidomid (Thalidomide
PharmionTM 50 mg
Hartkapseln)
Wissenswertes für
Patientinnen und
Patienten und ihre
Angehörigen
Die neue Informationsbroschüre von Myeloma Euronet zum Thema Thalidomid (Thalidomide PharmionTM 50 mg Hartkapseln) bietet Ihnen nützliche Informationen zur Therapie mit Thalidomid.
Um die Broschüre herunterzuladen, klicken Sie bitte hier (572 KB PDF *).
Thalidomide Celgene™ ist in Kombination mit Melphalan und Prednison (MP) zur Erstlinientherapie des Multiplen Myeloms bei Patienten zugelassen, die 65 Jahre oder älter sind, oder für die eine Hochdosis-Chemotherapie nicht in Frage kommt. Wie in kontrollierten klinischen Studien gezeigt werden konnte, führt die Integration von Thalidomid in das MP-Behandlungsschema (Melphalan und Prednison) bei dieser Patientengruppe zu einer deutlichen Verlängerung der progressionsfreien Überlebenszeit (Zeit bis zum erstmaligen erneuten Fortschreiten der Erkrankung) und der Gesamtüberlebenszeit.
Das Präparat wurde von der EU-Kommission im April 2008 unter dem Namen Thalidomide Pharmion™ in Kombination mit Melphalan und Prednison zur Erstlinientherapie des Multiplen Myeloms zugelassen. Seitdem haben bereits verschiedene Länderbehörden ihre Zustimmung zu der jeweiligen nationalen Umsetzung des EU-weiten Sicherheitsprogramms erteilt, mit dem Fehl- und Missbildungen durch Thalidomid bei Neugeborenen sowie weitere wirkstofftypische Risiken verhindert werden sollen. Daraufhin konnte Thalidomid in diesen Ländern in den Markt eingeführt werden. Inzwischen wird das Arzneimittel unter dem neuen Namen Thalidomide Celgene™ vertrieben. Das umfassende Sicherheitsprogramm ist ein grundlegender Bestandteil der Zulassung von Thalidomide Celgene™. (Für Deutschland: Die entsprechende Broschüre des deutschen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) können Sie hier herunterladen.)
Mit dem Einsatz von Thalidomid in der Therapie des Multiplen Myeloms wird ein neuer therapeutischer Ansatz verfolgt. Einzelne Wirkmechanismen werden noch genauer untersucht, aber es ist bekannt, dass Thalidomid Einfluss auf bestimmte Faktoren des Immunsystems nimmt und die Neubildung von Blutgefäßen, die so genannte Angiogenese, hemmt. Die Angiogenese ist für das Wachstum von Tumoren eine unabdingbare Voraussetzung. Außerdem wurde beobachtet, dass bestimmte Krebszellen durch Thalidomid veranlasst werden, sich selbst zu zerstören (Apoptose). Darüber hinaus hemmt Thalidomid auch Entzündungsreaktionen und die Freisetzung von Stoffen, die das Tumorwachstum anregen.
Thalidomide Celgene™ ist das einzige Thalidomid-Präparat, das durch die entsprechenden Behörden offiziell zugelassen wurde.
Andere Thalidomid-Präparate wurden nicht in notwendigen kontrollierten klinischen Studien geprüft und sind daher auch offiziell nicht zugelassen, weshalb keinerlei Aussage zu ihrer Qualität und Unbedenklichkeit möglich ist. Der Einsatz anderer Thalidomid-Präparate kann abweichende Empfehlungen und Maßnahmen erfordern. Eine Übertragung der Dosierungs- und Sicherheitshinweise von Thalidomide Celgene™ auf andere Thalidomid-Präparate ist deshalb nicht möglich.
Nur Thalidomide Celgene™ wurde und wird regelmäßigen Qualitätskontrollen gemäß den offiziellen Zulassungsauflagen unterzogen und im Rahmen eines behördlich genehmigten Sicherheitsprogramms abgegeben, das ungeborenes Leben schützt. Insbesondere die Empfehlungen zu Anwendungsgebieten, Behandlungsdauer und Dosierungen von Thalidomid folgen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Forschungsergebnissen und gelten speziell für den Einsatz von Thalidomide Celgene™ beim Multiplen Myelom.
Die Therapie mit Thalidomid kann mit verschiedenen Nebenwirkungen verbunden sein. Dazu gehören unter anderem Symptome, die auf eine Schädigung der Nerven hinweisen (wie z. B. Taubheit und Kribbeln), Schwindelgefühl, Zittern, Müdigkeit, Blutarmut (Anämie), Thrombose, Darmbeschwerden, allergische Hautreaktionen oder ein Anschwellen der Hände und Füße.
Behandlung mit Bortezomib
Bortezomib (Velcade®)
Wissenswertes für
Patientinnen und
Patienten und ihre
Angehörigen
Die Informationsbroschüre von Myeloma Euronet soll Ihnen dabei helfen, die Bortezomib-Behandlung besser zu verstehen und sich für eine der gegenwärtig verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten zu entscheiden.
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Die Wirkungsweise dieses so genannten Proteasom-Inhibitors ist noch nicht in allen Einzelheiten geklärt. Folgendes scheint jedoch festzustehen: Für das Überleben der Krebszellen sind die Bildung und der Abbau von Signalproteinen gleichermaßen wichtig für die Zellvermehrung, Zellhaftung und die Bildung neuer Blutgefäße. Der Abbau dieser Proteine wird von so genannten Proteasomen gesteuert. Das sind Enzymkomplexe, die sowohl in gesunden als auch in Krebszellen vorkommen und markierte intrazelluläre Proteine kontrolliert abbauen.
Bortezomib hemmt die Proteasomen, was dazu führt, dass sich viele Signale in der Krebszelle gegenseitig aufheben oder verhindert werden. Dies wiederum führt zu einer Hemmung des Tumorwachstums und der Bildung neuer Blutgefäße, dem Zelltod (Apoptose) der Krebszellen und der Hemmung der Interaktion mit Bindegewebszellen des Knochenmarks.
Bortezomib wurde in Europa im April 2004 unter dem Handelsnamen Velcade® zur Behandlung des Multiplen Myeloms/Plasmozytoms zugelassen, wenn zumindest zwei vorangegangene Therapien durchlaufen wurden und während der letzten Behandlung ein Fortschreiten der Erkrankung zu beobachten war (so genannte Third-Line-Therapie). Seit April 2005 ist Velcade® auch zur Behandlung von Patienten mit nur einer Vorbehandlung zugelassen (so genannte Second-Line Therapie). Die Patienten sollten sich bereits einer Knochenmarktransplantation unterzogen haben oder sich für diese nicht eignen, um Velcade® als Monotherapie (d. h. nicht in Kombination mit einem anderen Medikament) zu erhalten. Im September 2008 wurde Velcade® in Kombination with Melphalan and Prednison zur Behandlung von Patienten mit bislang nicht zu behandelnder multipler Myeloma zugelassen, die für eine Behandlung mit einer hochdosierten Chemotherapie bei Knochenmarktransplantationen nicht in Frage kommen. Die optimale Dauer einer Behandlung mit Velcade® ist bislang noch nicht bekannt.
Die häufigsten Nebenwirkungen, die in klinischen Studien mit Velcade® auftraten, waren in moderatem Ausmaß Müdigkeit, Unwohlsein, Schwäche, Übelkeit, Durchfall, verminderter Appetit und Verstopfung. Aber auch verminderte Konzentration von Blutplättchen, periphere Neuropathie (taubes Gefühl, Kribbeln und/oder Schmerzen in den Händen, Armen, Füssen oder Beinen), Fieber, Erbrechen und Anämie (Blutarmut). Als schwerwiegende Nebenwirkungen wurden das gelegentliche Auftreten von Fieber, Pneumonie (Lungenentzündung), schwerem Durchfall, Erbrechen, Dehydratation (Austrocknung) und Schwindel angegeben.
Behandlung mit Lenalidomid
Lenalidomid
(Revlimid®) –
Wissenswertes für
Patientinnen und
Patienten und ihre
Angehörigen
Die Broschüre bietet Ihnen ausführliche Informationen zur Behandlung mit Lenalidomid.
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Lenalidomid ist in den USA, der EU und in der Schweiz zugelassen für eine Kombinationstherapie mit Dexamethason bei Patienten mit multiplem Myelom, die bereits eine Standardtherapie erhalten haben. Lenalidomid ist seit Ende 2005 in den USA ebenfalls zugelassen für die Behandlung von transfusionsabhängigen Patienten mit einem myelodysplastischen Syndrom der Risikoklasse niedrig oder intermediär-1 bei gleichzeitiger 5q-Deletion mit oder ohne weitere zytogenetische Abnormalitäten.
Lenalidomid gehört zur Substanzklasse der IMiDs®. Diese Abkürzung steht für Immunomodulatory Drugs, also pharmazeutische Wirkstoffe, die das Immunsystem modulieren können. IMiDs® sind vom Thalidomid abgeleitete Verbindungen, die bei gleicher oder besserer Wirksamkeit deutlich geringere Nebenwirkungen haben.
Der Wirkmechanismus von Lenalidomid ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Man weiß jedoch, dass die Substanz an unterschiedlichen Stellen im Körper eingreift. Die immunmodulatorischen und antiangiogenetischen Eigenschaften dieser Substanz beeinträchtigen die Ausschüttung von entzündungsfördernden Stoffen und erhöhen die Produktion von Entzündungshemmern. Die Bildung von Blutgefäßen am Tumor wird unterbunden, dadurch kommt es zu einer schlechten Versorgung der Krebszellen mit Nährstoffen. Auch auf direkte Art und Weise wirkt Lenalidomid gegen Tumorzellen, indem es deren Wachstum verzögert. Lenalidomid ist also in der Lage, Stoffwechselprozesse, die an verschiedenen Stellen des Körpers aus dem Gleichgewicht geraten sind, zu korrigieren.
Die Therapie mit Lenalidomid ist jedoch auch mit Nebenwirkungen verbunden. Mit der Einnahme von Lenalidomid verändert sich häufig vorübergehend das Blutbild: Die Menge der Blutplättchen kann abnehmen (Thrombozytopenie), wie auch die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Neutropenie). Die Ergebnisse der Blutuntersuchungen können eine Therapieunterbrechung bzw. eine Reduktion der Lenalidomid-Dosis notwendig machen. Manche Patienten benötigen Wachstumsfaktoren und/oder Bluttransfusionen.
Eine andere Nebenwirkung des Medikaments Lenalidomid kann sein, dass sich während der Behandlung das Risiko für die Entstehung von Blutgerinnseln erhöht (Venenthrombosen und Lungenembolie). Es existieren noch keine Untersuchungen, die eindeutig belegen, dass eine vorsorgliche Therapie zu einer Reduktion der Thromboseneigung führt. Je nach dem individuellen Risiko für Blutgerinnsel kann der Arzt aber eine prophylaktische Therapie gegen Venenthrombosen oder Lungenembolien verordnen. Andere Nebenwirkungen, die durch die Einnahme von Lenalidomid verursacht werden können, sind Durchfall, Hautausschlag und Juckreiz.
Behandlung mit Bisphosphonaten
Eines der häufigsten Symptome, das bei Patienten mit Multiplem Myelom/Plasmozytom schließlich zur Diagnose der Erkrankung führt, ist das Auftreten von Knochenschmerzen, insbesondere im Bereich der Wirbelsäule und der Rippen. Die Schmerzen werden verursacht durch die Zerstörung von Knochenmaterial, welche wiederum durch die Myelomzellen angeregt wird. Bisphosphonate gehören zur Standardtherapie beim Multiplen Myelom/Plasmozytom. Sie können den knochenzerstörenden Prozess aufhalten.
Myelomzellen produzieren Faktoren, die die Aktivität der den Knochenabbau regulierenden Zellen (Osteoklasten) stimulieren und zu erhöhtem Knochenabbau führen. Dabei dürften lokale Faktoren eine Rolle spielen, sodass der stärkste Knochenabbau meist dort zu finden ist, wo sich die Myelomzellen angesiedelt haben. Dies betrifft vorzugsweise die gesamte Wirbelsäule, Becken, Beckengürtel aber auch den Schädelknochen, sowie Schultern und den knöchernen Thorax. Die Behandlung mit Bisphosphonaten zielt darauf ab, die Überaktivität der Osteoklasten zu unterdrücken. Behandelte Patienten erfuhren oft eine deutliche Reduzierung ihrer Knochenschmerzen.
Bisphosphonate sind relativ sichere Medikamente. Sie können allerdings grippeähnliche Symptome erzeugen und bei den ersten Anwendungen vorübergehend sogar die Knochenschmerzen verstärken. Alle Bisphosphonate können Nierenprobleme verursachen, wenn sie zu schnell infundiert (eingebracht) werden. Obwohl es keine Langzeitstudien dazu gibt, wird empfohlen, Myelom-Patienten lebenslang mit Bisphosphonaten zu behandeln, wobei die Nierenfunktion regelmäßig zu überwachen ist.
Es ist wahrscheinlich, dass Bisphosphonate zwar den weiteren Knochenabbau verhindern, aber nicht zur Rückbildung bereits vorhandener Schäden führen. Obwohl es hierzu keine Studien gibt, behandeln einige Ärzte ihre Patienten schon in frühen Stadien des Myeloms mit Bisphosphonaten als Präventivmaßnahme. Laboruntersuchungen haben nämlich gezeigt, dass Bisphosphonate Myelomzellen zerstören können.
Gelegentlich kann es bei Patienten, die mit Bisphosphonaten behandelt werden, zu Erscheinungen der so genannten Osteonekrose kommen. Dabei handelt es sich um Knochenabbau im Kiefer. Die Folgen können Schmerzen, lose Zähne, scharfe Kanten freiliegenden Knochengewebes und das Abbrechen kleiner Knochenteile sein. Die ersten Symptome sind häufig Schwellungen, Taubheitsgefühl und aufkommende Schmerzen. Bei kieferchirurgischen Eingriffen kann der Heilungsprozess erheblich beeinträchtigt sein. Es ist bisher nicht bekannt, ob der Typ des Bisphosphonats eine Rolle spielt und ob noch andere Faktoren (zum Beispiel Bestrahlung, andere Medikamente, dentale Vorbehandlungen) einen Einfluss haben.
Bis zur Klärung dieser Fragen wird Myelom-Patienten empfohlen, beim Zahnarzt gegebenenfalls auf die Behandlung mit Bisphosphonaten hinzuweisen. Wenn sich die geschilderten Probleme ergeben, sollte die Behandlung für zwei bis vier Monate unterbrochen werden. Bei Infektionen im Kieferbereich ist die Verwendung von Antibiotika angeraten.
Ein Aufsatz von Prof. Dr. Heinz Ludwig, Mitglied des Medizinischen Beirats von Myeloma Euronet, zu neuen Entwicklungen beim Multiplen Myelom ist im Februar 2006 erschienen. Bitte beachten Sie, dass sich dieser Artikel an ein medizinisches Fachpublikum richtet. Durch Klick auf den folgenden Link bestätigen Sie, dass Sie dieser Zielgruppe angehören. Zum Artikel.
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